Ein Reiseführer durch die Umlaufbahnen der Erde. Er beginnt bei den einfachen Fragen — Welche „Stockwerke" gibt es über uns? Warum fliegt der Fernsehsatellit ganz hoch und Starlink ganz tief? — und führt bis zu den großen: Strahlung, Weltraumschrott, dem gefürchteten Kessler-Effekt, der Frage, ob man Satelliten abschießen kann, und wie in Zukunft überhaupt alles nach oben kommt.
Stellen Sie sich die Erde als Hochhaus vor. Ganz unten wohnt die Feuerwehr (die tief fliegenden Satelliten — schnell zur Stelle, aber sie sehen immer nur ein kleines Stück Straße). Ganz oben, im Penthouse, sitzt der Hausmeister, der von einem festen Fenster aus immer denselben halben Kontinent überblickt (der Fernsehsatellit). Dieser Atlas erklärt, wer in welchem Stockwerk wohnt — und warum keiner freiwillig die Etage wechselt.
Über der Erde ist es voll geworden, und zwar schnell. Rund 14.000 aktive Satelliten kreisen heute oben — vor fünf Jahren waren es noch etwa 3.400. Allein 2025 wurden über 4.500 neue Objekte gestartet, ein Rekord. Getragen wird der Boom nicht von einer einzelnen Vision, sondern von zwei nüchternen Hebeln: billigeren Starts (SpaceX' Falcon 9 flog 2025 rund 165-mal) und am Fließband gebauten Satelliten. Parallel läuft ein Wettrennen USA gegen China — und die jüngste Front ist die Frage, ob als Nächstes auch unsere Rechenzentren hinaufziehen.
~14.000 aktive Satelliten heute (2020: ~3.400); über 4.500 Starts allein 2025. Prognosen sehen Kurs auf rund 43.000 bis 2034 — grob zwölf neue pro Tag. → Kapitel 3
Der Hebel ist Wiederverwendung (ein Falcon-9-Booster flog schon 35-mal) plus Massenfertigung — die Rakete am Fließband statt als teures Einzelstück. Beides zusammen, nicht eine einzelne Idee. → Kapitel 6
Starlink (~9.400 aktiv) dominiert; Amazon Kuiper und OneWeb ziehen nach — und China baut mit Guowang (~13.000 geplant) und Qianfan (~14.000) gleich zwei Staats-Konstellationen. → Kapitel 5
Drei Schwergewichte: Google „Suncatcher" (eigene Sparchips), das Startup StarCloud (Nvidia im All) — und seit Ende 2025 SpaceX/xAI selbst (Musk kaufte dafür sogar xAI). → Kapitel 7
Dieser Atlas stützt sich auf zwei Moonshots-Folgen — und hält sie bewusst auseinander. In #266 (mit Will Marshall, Planet Labs) fällt die Kernthese: kurzfristig sei der Startpreis der Engpass, langfristig die Energie-Effizienz der Chips. In #268 (mit Philip Johnston, StarCloud) geht es um die Praxis — ideale Bahnhöhe, Kühlung per Radiator, Laser statt Funk.
Johnstons Aussagen sind anregend, aber nicht alle halten der Prüfung stand — deshalb ordnen wir sie ein statt sie nachzuerzählen. Seine steile These „langfristig laufen 99,9 % des Compute im All" ist ein Fernziel auf Dyson-Schwarm-Zeitskala, kein Nahziel; und seine Behauptung, Schrott sinke „auch auf 1.000 km in ~50 Jahren" ab, ist nach NASA-Daten rund 20-mal zu optimistisch (Richtigstellung im Anhang). Umgekehrt gibt es gewichtige Skeptiker: Investor Masayoshi Son hält Orbit-Rechenzentren für unwirtschaftlich, weil Energie „nur 7 % der Kosten" ausmache. Kurz: eine faszinierende Entwicklung — aber noch viel Wette. Jede Zahl in diesem Atlas ist im Anhang mit Quelle und Konfidenz hinterlegt.
Jedes Kapitel ist so gebaut, dass man es auf zwei Ebenen lesen kann: der Haupttext erklärt alles in Alltagssprache — für die aufklappbaren „Für Profis"-Kästen braucht man kein Vorwissen, aber sie liefern Zahlen, Physik und Details für alle, die tiefer wollen.
Höhe entscheidet über Tempo, Strahlung, Schrott und Verwundbarkeit — die sieben Kapitel sind sieben Blickwinkel auf dieselbe Leiter.